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- HÄSSLICHKEIT – Beschilderung im öffentlichen Raum
von François Valentiny
Zugegeben, es ist mein Thema – denn nichts verdient mehr Verachtung, als die Verschandelung unseres städtebaulichen Erbes.
Die Verneinung der Ästhetik als Paradigma unserer Zivilisation!
Als Architekt kann man sich diese Weltanschauung doch nicht wünschen und doch ist eine solch nihilistische Einstellung in unseren Städten allgegenwärtig.
Architektur und Städtebau sind naturgemäß Spiegelbilder der jeweiligen Gesellschaftsformen und so scheint das Image heutiger Städte wohl nicht all zu falsch zu sein, denn wir versinken gesellschaftlich, ökonomisch und politisch in der Hässlichkeit.
Die Probleme sind längst erkannt. Doch trotz der vielen Bemühungen der Städte durch Vorschriften, Gestaltungsbeiräte und Kommissionen den öffentlichen Raum wieder lebenswert zu machen, ist eine schleichende aber konsequente ästhetische Pollution desselben wahrzunehmen.
Der Hauptgrund liegt wohl in der Tatsache, daß über die Zeit die homogene und historisch gewachsene Stadt vielerorts mit einer respektlosen heterogenen Bebauung zerstört wurde. Die Grundidee der alten Strukturen wurde architektonisch derart entfremdet, daß als Konsequenz die Funktionalität nicht mehr gewährleistet ist. Der Straßenverkehr bricht zusammen und die Lebensqualität verringert sich drastisch.
Derartige Kollapse sind in der Stadtentwicklung nicht neu und meist hat die Politik mit großangelegten Zerstörungen der alten Strukturen das Problem gelöst. Rom und Salzburg brannten ab, die Pariser Boulevards des 19 Jahrhunderts sowie der neue Städtebau in China bauen auf den Trümmern der alten Städte auf. Sogar Niemeyer’s Hauptstadt Brasilia sowie die neuen Megacitys am Golf kümmern sich wenig um das Alte und bauen ihre neuen Ideen inmitten vom Urwald oder auf artifiziellen Inseln im Meer.
Ein großer Vorteil dieser zentralistisch organisierten Stadtplanungen liegt darin, daß in relativ kurzer Zeit ein klar definiertes Bild in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Allen diesen Städten gemein ist eine klare Hierarchisierung der öffentlichen Räume, so daß Orientierungen und Bewegungsflüsse erheblich reduziert werden. Diese Art Städtebau ist innerhalb von unserem politischen Denksystem nicht möglich. Im alten Europa sind die Planungsprozesse demokratischer, individueller aber auch zeitaufwendiger geworden. Eine übergeordnete städtebauliche Grundidee ist somit auch kaum mehr erkennbar. Die Vision einer Gesamtstadt wurde zerschlagen und langfristig angelegte Teilbebauungspläne führen die Stadt als Polis ad absurdum. Dabei können auch die minutiös ausgearbeiteten Gestaltungssatzungen vieler Kommunen nicht mehr helfen, die verlorenen Qualitäten wieder zu erlangen und so bleibt die ästhetische Verschandelung durch Schilder der absurde Versuch einen gescheiterten Städtebau zu korrigieren.
Jede Art von Beschilderung bevormundet den Bürger, aber sie zeigt auch das Unvermögen von Architektur und Städtebau. Jedes Schild steht für eine Information, die der gebaute öffentliche Raum durch seine bauliche Präsenz nicht geben kann.
Für die EXPO 2010 in Shanghai, welche unter dem Motto „ Better City better Life“ stand, bekamen wir als Planer von den Verantwortlichen, neben den Grundabmessungen, der maximalen Gebäudehöhe sowie einem fixen Budget, alle Freiheiten ein ideales Bauwerk für unser Land zu schaffen. Dafür bin ich sehr dankbar, denn wir konnten ein kontextuelles Gebäude planen, welches ohne die üblichen Bauvorschriften und Gestaltungsgrundsätze unserer hiesigen Bauordnungen auskam. Trotzdem wurde es ein kraftvolles, einfaches aber vielbeachtetes Bauwerk, welches unserem Land mit 7 Millionen Besuchern einen bis dahin nie gekannten Erfolg bescherte.
Dieses Vertrauen und der politische Mut für sprechende Architektur müssen doch wohl auch zu Hause in Europa möglich sein.