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- architekturbild
Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011
» Dazwischen I in between «
Der Europäische Architekturfotografie-Preis, der seit 1995
alle zwei Jahre ausgelobt wird, geht 2011 an den Berliner
Fotografen Nils Clauss.
2005 wurde der weltweit erste Architekturfotografie-Preis zum
ersten Mal von dem gemeinnützigen architekturbild e.v. organisiert.
2008 begann die Kooperation mit dem Deutschen
Architekturmuseum, Frankfurt am Main.
Das Thema des Preises 2011 lautete »Dazwischen | in between«.
Der weltweit erste Architekturfotografie-Preis ist mit 6.000 Euro
dotiert und wird seit 2005 von dem gemeinnützigen Verein
architekturbild e.v. ausgeschrieben und vergeben. Nachdem
das Deutsche Architekturmuseum und der Verein im Jahr 2008
die Kooperation in puncto Europäischer Architekturfotografie-
Preis besiegelt haben, finden nun die Preisverleihung und die
Erstausstellung der besten 28 Wettbewerbsbeiträge bereits zum
zweiten Mal im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am
Main, statt.
Wie bereits in den vergangenen Jahren interpretierten die teilnehmenden
Fotografen auch beim aktuellen Wettbewerb das
Thema »Dazwischen | in between« sehr vielschichtig. Unter den
Beiträgen von 269 Teilnehmern aus 15 Ländern zeichnete die Jury
– Vorsitzende war Christiane Gehner, 1. Vorsitzende des »Palais
für aktuelle Kunst«, Glückstadt, und Mitglied der DGPh – die
vierteilige Fotografieserie von Nils Clauss mit dem 1. Preis aus.
Nils Clauss führt mit – auf den ersten Blick – irritierenden Bildern
seiner Bildserie »UrbanNatur« vor, wie sehr die Grenzen zwischen
Stadt und Land, zwischen urbanem und ländlichem Raum verwischen
können.
Weiterhin wurden zwei gleichwertige zweite Preise vergeben. Paul
Duri Degonda spielt in der Serie »l’unda | Die Welle« ebenfalls
mit der Irritation. Spiegelungen, Durchblicke und Konturen des
Gebäudes changieren, streiten miteinander. Aber in der Addition
aller vier Bilder ergibt sich ein Gesamtbild der Welle (Zentrum
Paul Klee, Bern). Dawin Meckel zeigt die Verlassenheit und
unheimliche Leere der einst boomenden Autostadt Detroit in
beängstigend hautnahen Bildern.
Die 28 besten Bildserien des zunehmend international bekannten
Architekturfotografie-Preises werden beginnend mit der
Preisverleihung vom 6. Mai bis zum 19. Juni im Deutschen
Architekturmuseum in Frankfurt am Main gezeigt.
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- Eine DesignFusion
Die sechs Fachrichtungen des Fachbereichs Gestaltung reichten
sich im Mai 2011 gekonnt die Hände um die Designfusion aus
ihrem Schönheitsschlaf direkt in die Hallen der FH Trier sowie
des Postgebäudes am Kornmarkt zu befördern.
Spricht man von einer Fusion, ist der unmittelbar erste Gedanke,
der aufkommt, ein aus ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoller
Zusammenschluss von Unternehmen die sich unter Umständen
in einer wirtschaftlich misslichen Situation befinden, expandieren
möchten oder bereits rote Zahlen vor Augen haben.
Der Fachbereich der Gestaltung an der Trierer Fachhochschule
interpretierte das Thema neu und begann eine mehrtägige, sehr
kurzweilige Ausstellung, nach welcher mit aller Sicherheit gesagt
werden konnte, dass sie sich gelohnt hatte. Arbeiten Studierender
der verschiedenen Bereiche wurden an drei zentralen Punkten in
der Trierer Innenstadt ausgestellt. Ein ehemaliges Postgebäude
diente diesem Zweck nicht weniger als die Hochburgen gestalterischen
Talentschmiedens am Trierer Paulusplatz und dem
Irminenfreihof. Die teilweise sehr rigorose, auch wenn vor allem
durch die räumliche bedingte Trennung der Architektur von
den Fachbereichen Design und Innenarchitektur und das daraus
resultierende Gefühl, man hätte es oftmals mit Koryphäen und
Einzelkämpfern zu tun, die sich mit ihren Arbeiten zu profilieren
suchten und darin die einzige Möglichkeit sahen, auf sich
aufmerksam zu machen, wurde gelöst. Schmuckdesign gleichberechtigt
neben Innenarchitektur wahr zu nehmen und die
Vergleichbarkeit des Kommunikationsdesigns mit dem Inhalt des
intermedialen, löste den oftmals trockenen Ausstellungscharakter
und sorgte für die, neben stark durch Logos und Ratio beeinflussten
Exponate, abwechslungsreichen, kreativen und fantasievollen
Ergebnisse. Stillleben nebst städtebaulichen Modellen erleichterten
vielen fachfremden Besuchern einen Einblick in das Studium
des „Entwerfenden Sektors“ an der Hochschule. Bemerkenswert
an dieser Stelle die stark positive Resonanz. Man war verblüfft
über die entstehende Atmosphäre. Studenten führten und erklärten
dem Publikum die Sachverhalte und Aufgabenbereiche, mit
denen sie sich auseinandersetzten, während andere anfangs kritisch
durch die Flure taumelten und nach einigen Schritten in den
Bann einer Projektoren und Klanginstallation gezogen wurden.
Workshops wiederum sorgten dafür, dass sich die interessierte
Zuhörerschaft in der luxuriösen Lage wiederfand, in direkten
Kontakt mit der Materie zu treten. Als krönend sei an dieser Stelle
auch die Kurzfilmnacht aufgeführt. Im Innenhof des historischen
Postgebäudes wurden bis in den frühen Morgen eine Vielzahl
von Filmen präsentiert, die Ergebnis des studentischen Arbeitens
an der Fachhochschule Trier und vieler anderer Hochschulen in
Europa waren. Das Ensemble aus Klang, nicht schlecht staunender
Menschenmengen, sich dicht an dicht tummelnd und dem
Inhalt der Ausstellung in der nächtlich vom Mondlicht erhellten
Umgebung erinnerte an ein gut durchdachtes Bühnenbild
und erfreute die Veranstalter, die, wenn sie einen Blick auf
die herzliche Gemeinschaft und ihr Lachen warfen, wunschlos
glücklich waren. Selten hat die Kooperation der gestalterischen
Fachbereiche eine so bedeutungsschwangere Revue zum Ergebnis
gehabt. In jedem Fall ist der interdisziplinäre Austausch, wie er an
dieser Stelle über beinahe eine Woche stattgefunden hat, gelungen
und zu bejubeln. Beziehungen der Fachbereiche untereinander,
Freundschaften Studierender und künftig entstehende Arbeiten,
die von dieser Erfahrung zehren, erzählen und Vorteile aus ihr
ziehen werden, sind nicht zu unterschätzen. Wir sind gespannt,
wann es wieder zu einer solchen Veranstaltung kommen wird und
ob nicht noch mehr Menschen ein so hohes Potenzial in ihr sehen
wie wir. Vergleichbar einer Unternehmensgründung hatte man
sich zusammengeschlossen, um etwas Größeres zu erreichen. Ist
der nächste Schritt dieses Entrepreneurgedankens, aber auch der
sich weiterhin in dieser Weise zu bereichern? Welche Ausmaße
wird die kommende DesignDusion haben? Sicher ist, dass es nie
falsch sein kann, positive Schlagzeilen zu machen.
Text Thomas Szabo
Fotos Tobias Andersen
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- Der Stein der Weisen
Neues Technikerhaus am Berufskolleg Oberberg in Wipperfürth
Vor den Toren Kölns gelegen ist der Oberbergische Kreis mit
knapp 290.000 Ein-wohnern das östlichste Teilgebiet des
Naturparks Bergisches Land, das – reich an Wald und Wasser
– als ideales Naherholungsgebiet genutzt wird. Dank der
Wasser-kraft von Wupper, Agger, Wiehl und Bröl entwickelten
sich aber auch die Metall- und Textilindustrie sehr früh
– noch vor dem Industrialisierungsschub im Ruhrgebiet oder
Großbritannien. Aus diesen frühindustriellen Wurzeln entstanden
bis heute so zukunftsträchtige Branchen wie die Kunststoff- und
Papierverarbeitung, die Automobil-Zulieferer und aktuell die
Medizin- und Transpondertechnik. High-Tech im Grünen ist hier
tagtägliche Praxis. Wen wundert, dass hier gezielt Jugendliche
angesprochen werden, Ausbildung und Studium vor Ort zu absolvieren.
Denn wer einmal abwandert, kehrt häufig genug nicht mehr
wieder zurück. Das Hand-in-Hand zwischen örtlicher, meist mittelständischer
Wirtschaft und öffentlichen Bildungseinrichtungen
wird besonders deutlich beim Verbund der vier Berufskollegs an
ihren kreisweiten Stand-orten. So kann aus einer Vielzahl von
Aus- und Weiterbildungsangeboten der Bereiche Agrarwirtschaft,
Ernährung und Hauswirtschaft, Gesundheits- und Sozialwesen,
Technik und Wirtschaft gewählt werden.
Das Berufskolleg Oberberg in Wipperfürth stellte sich bis 2008
als ein über Jahrzehnte hinweg gewachsenes, unübersichtliches
Gebäudeensemble dar, bestehend aus einer Vielzahl von Gebäuden
mit An- und Verbindungsbauten, das einen zentralen Ort, ver-
missen ließ. Verstärkt wurde diese Situation durch die hügelige
Topografie, sowie mehrere das Schulgelände umgebende Parkplätze,
so dass auch der Zugang nicht zentral erfolgen konnte. Um dieser
Entwicklung entgegenzuwirken, wurde dem neuen Technikerhaus
sowohl durch die Nutzung als auch durch seine Positionierung
eine zentrale Stellung auf dem Gelände zugewiesen: es beinhaltet
neben technischen Schulungsräumen vor allem ein Forum für
Schulveranstaltungen, Ausstellungen und Lossprechungen mit
angegliedertem inneren Schüleraufenthalt und einer sich unmittelbar
anschließenden überdachten äußeren Pausenhalle. Diese
Funktionen orientieren sich ausschließlich nach „Innen“, zum
Schulhof hin, der damit neu gefasst wird und auf den, wie auf
einem Campus, alle von außen kommenden Wege münden. Unter
Ausnutzung der Topografie kann gleichzeitig das Untergeschoss
mit seinen Lehrwerkstätten ebenerdig von der angrenzenden
Erschließungsstraße er-schlossen werden, so dass die Anlieferung
nicht länger über das Schulgelände führen muss.
Als dominierendes Fassadenmaterial wurde eine hochwertige und
langlebige Natur-steinverkleidung in Grauwacke als selbst tragende
Vorhangfassade gewählt, ein lokaltypisches Material, das 15
Kilometer entfernt im Steinbruch der Firma Quirrenbach in Lindlar
abgebaut wird. Grauwacke ist ein quarzitischer Sandstein und
gehört zur Gesteinsgruppe der Sedimentgesteine. Sie entstammt
den Mühlenberg Schichten der Eifelstufe (Devon), einer geologischen
Einheit die vor 380 – 387 Millionen Jahren während des
Erdaltertums (Paläozoikum) abgelagert wurde. Um diesem Material
einen zeitgenössischen Bezug zu geben, wurden jedoch die Bohrund
Bearbei-tungsspuren aus dem Steinbruch auf den Sichtseiten
als prägnante Oberflächen-struktur belassen. Durch die geringen
Transportwege konnte darüber hinaus ein nachhaltiger Beitrag
zur Gesamtökobilanz des neuen Technikerhauses geleistet werden.
Den Nutzern – und hier besonders den jungen Leuten – wurde ein
zeitgemäßes Identifikationsmerkmal ihrer Heimat und der Umwelt
gegeben. Warum sollte man da das Weite suchen?
Architekt oxen + partner architekten, Hürth
Fotograf Stefan Schilling, Köln
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- Albert Speer
Albert Speer ist 77 Jahre alt und noch immer weltweit von
China bis Moskau unterwegs. „Eine Woche ohne Flugreise auf
Platz 1a der Lufthansa macht mich nervös,“ begründet er seine
Umtriebigkeit. Der Frankfurter Städtebauer und Stadtplaner, der
lokal denkt, aber global handelt, ist mit seinem Büro AS&P Albert
Speer & Partner das einzige deutsche Planungsbüro von internationalem
Rang. Natürlich ist er auch Architekt, aber das konkrete
Bauen spielt im Vergleich zu der komplexeren Aufgabe Stadt für
ihn und sein Büro eindeutig eine sekundäre Rolle.
Im Internet wird der Mann mit dem markanten Kopf, der ebenso
beherrscht wie ungeduldig-temperamentvoll ist, in einem
Porträt „dolce vita“ als „Der Ungeduldige“, der „schelmisch
Zurückhaltende“ und „der bis zur Rastlosigkeit Neugierige“
bezeichnet. Gewiß ist er, der angeblich trotz seiner internationalen
Arbeit ohne Handy auskommt und dies „Freiheit“ nennt, alles
dies und noch mehr: harter Arbeiter, Geniesser, Kulturliebhaber,
Sportler – Rudern und Schwimmen halten ihn fit. Vor allem aber
ist Albert Speer ein Pragmatiker, der Theorie und Praxis leicht
miteinander verbindet und der im Vergleich zu anderen arroganten
Kollegen seine Ideen nicht als ewige Wahrheiten verkündet
und verkauft.
Speer, der als ältestes von sechs Geschwistern in Berchtesgaden
aufwuchs und als kleiner Junge Hitler für „so eine Art netter Onkel“
hielt, auf dessen Schultern er schaukeln durfte, wird bis heute trotz
eigener Verdienste und seines internationalen Bekanntheitsgrades
immer noch und immer wieder auf seinen berühmten Vater angesprochen,
Albert Speer sen., den Reichsminister für Bewaffnung
und Munition im 3. Reich und den Autoren der monumentalen
Germaniaplanungen. Nach Jahrzehnten des Schweigens zu diesem
Thema antwortet er inzwischen darauf, aber knapp und mit
Zurückhaltung. Der innere und äussere Abstand zu diesem Vater
war ihm immer wichtig. Dennoch muß er sich bei vielen seiner
Interviews seltsame Fragen wie die zu einer möglichen eigenen
Vorliebe für autoritäre Systeme anhören (SZ 3o.4.2o1o).
Schon Speers Großvater war Architekt. Er selbst jedoch machte
1952-55 zunächst eine Schreinerlehre, holte in dieser Zeit
am Abendgymnasium das Abitur nach und studierte ab 1955
Architektur in München. Damit fertig arbeitete er von 196o-64
in unterschiedlichen Büros in Deutschland, Schweden und der
Türkei, bis er 1964 sein eigenes Büro in Frankfurt gründete und
sich neuen Wohnungsquartieren, Flächennutzungsplänen und
Altstadtsanierungen in Lübeck, Speyer und Worms widmete. 1968
ergatterte er den ersten stadtplanerischen Auslandsauftrag in
Libyen. Kollegen sagen von ihm, dass er immer eine besondere
Nase für Aufgaben gehabt habe und immer als erster vor Ort gewesen
sei, wo grosse und wichtige Aufträge zu erwarten waren.
Seit diesem ersten Auslandsauftrag gibt es wenige Länder, wo
Albert Speer nicht acquiriert und sein Büro nicht geplant hat. Zwar
hat er sich inzwischen von den täglichen Aufgaben im Büro befreit
– das übernehmen langjährige und bewährte Partner, für deren
Auswahl er eine gute Hand hat – aber der Wachstumswahnsinn
der weltweiten Megastädte und Überlegungen, wie in städtischen
Agglomerationen dennoch Lebensqualität erhalten bzw. geschaffen
werden kann, sind nach wie vor seine täglichen Themen.
Seit 2oo8 leben über 5o % der Weltbevölkerung in großen Städten.
Und es werden immer mehr. Allein China hat einen Bedarf an
über hundert neuen Millionenstädten. Die Metropolregionen von
Tokio, Sao Paulo und Mexiko wachsen so rasant, dass sie bald
4o-4o Millionen Menschen umfassen. Dergleichen gigantische
Städte sind weitgehend unregierbar und lassen viele Planer und
Verwaltungen verzweifeln. Nicht so Speer. Er glaubt nach wie vor
daran, dass Planung auch in großen Dimensionen das Umfeld von
Menschen grundsätzlich verbessern helfen kann. Allerdings entlarvt
er die meisten sog. nachhaltigen Stadtentwicklungspläne als
reine Vortäuschung falscher Tatsachen. Sein Büro aber legt auch
bei Stadtentwicklungen in China Wert auf Aspekte wie Umwelt
und Energieeinsparung. Das 2oo1 in Shanghai gegründete Büro
mit zeitweise über 1oo Mitarbeitern – „wir sind jetzt halbe
Chinesen“ - nimmt viele Aufträge wahr, obwohl China alles andere
als ein Schlaraffenland für Planer und Baumeister ist, weil im Land
immer noch Kooperations- und Organisationsstrukturen fehlen.
Eine der wohl wichtigsten Aufgaben ist die Planung der 12o km2
großen Automobilstadt für 3oo.ooo Einwohner im Rahmen der
Industriestadt Changchun.
Nicht alle heutigen Aufgaben Speers sind von solcher
Größenordnung. Aber die kleineren Planungsaufträge Anfang der
7oiger Jahre in Nordafrika und den arabischen Ölstaaten – 1973-
81 Beratung der algerischen und ab 1977 der saudiarabischen
Regierung – haben Verbindungen geschaffen und den Namen
des Büros bekannt gemacht. Daß 2o1o Katar, der „Zwergstaat mit
einer der größten Erdgasblasen des Planeten“, den Zuschlag für
die Fußballweltmeisterschaft 2o22 bekam, hat nicht zuletzt auch
mit den überzeugenden Planungen von AS&P für acht der neun
neuen Fußballstadien zu tun, die in Katar für die Spiele errichtet
werden sollen. Für solche Megaevents hat sich das Büro in den
letzten Jahren zunehmend qualifiziert. So betreute es die Expo
2ooo in Hannover und die Expo 2o1o in Shanghai.
Albert Speer, von 1972 bis 1997 Professor an der Uni
Kaiserslautern, nimmt auch in Deutschland wie kein anderer
Planer Einfluß. Vor zwei Jahren legte er den Masterplan für die
Kölner Innenstadt vor, ein gründliches Meisterwerk, das Kölns
Probleme offensiv und kreativ angeht. Den größten Einfluß aber
hat er wohl auf die Stadt Frankfurt. Er hat am Museumsufer
mitgearbeitet, mit dessen Hilfe die Stadt ihr mieses Image als
Mainhattan änderte, seit 1979 berät er die Messe Frankfurt und
spielt auch bei der Flughafenplanung eine maßgebliche Rolle.
Sein Buch „Frankfurt für alle – Handlungsperspektiven für die
internationale Bürgerstadt“ formuliert Thesen für eine prosperierende
und lebenswerte Stadtgesellschaft, engagiert, nüchtern
und wirklichkeitsnah, eine Fibel für Frankfurts Zukunft, wenn
die Stadt denn will.
Text Ingeborg Flagge
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- Nachhaltigkeit
Im Rahmen der neu ins Leben gerufenen Symposiumsreihe „integrale
Planung“ widmete sich die Fachhochschule Trier erstmalig
dem Thema „Nachhaltigkeit“. Dieser doch sehr zeitgeistig bedingte
Begriff wird fast in allen Lebensbereichen mehr oder weniger
sinnvoll verwendet.
Im Jahre 2008 wurde in Deutschland ein Instrument zur
Beurteilung und Zertifizierung nachhaltiger Gebäudekonzepte
vorgestellt. Das „Gütesiegel nachhaltiges Bauen“ der deutschen
Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (dgnb) verfolgt einen umfassenden,
ganzheitlichen Ansatz zum nachhaltigen planen und
bauen. Nicht nur ökologische und energetische Aspekte werden
zur Beurteilung eines Qualitätsstandards herangezogen, sondern
auch funktionale und soziale Komponenten so wie Prozess- und
Standortspezifische Faktoren.
Die Fachrichtung Architektur der Fachhochschule bietet ein
Forum mit dem Ziel, das Thema Nachhaltigkeit in all seinen
Ausprägungen zu thematisieren. Unterschiedliche Denk- und
Arbeitsansätze aus unterschiedlichen Institutionen wurden und
werden vorgestellt. Sichtweisen des zeitgemäßen Planens und
Bauens, der Projektentwicklung und der Administration, aber
auch soziokulturelle Fragestellungen wurden und werden in
Zukunft thematisiert.
Das Ziel der Symposiumsreihe ist es, Bauschaffende, Architekten,
Fachplaner, Projektentwickler, Bank – und Finanzdienstleister,
Behördenvertreter, Kommunen, Investoren, aber auch studierende
differenziert über den derzeitigen Diskussionsstand zu informieren.
Teilnehmer des ersten Sympoisums am 26.5.2011 waren Prof. Dr.
Matthias Sieveke, Dr. Dirk Gust, Dr. Hans-Günther Ullrich, Prof.Dr.
Wieland Becker, Dipl. Ing. Arch. m.sc. Yvonne Brandenberger, Dipl.
Ing. Thomas Bühl – Nebel und GG Kirchner
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- Echolot
Eine Bionische Struktur für die BUGA 2011 in Koblenz
Der Pavillon der Fachhochschule Koblenz auf der BUGA 2011
befindet sich im Ausstellungsbereich „Vielfalt des Lebens —
Lernen von der Natur“. Der Ausstellungsbereich besteht aus
mehreren Gärten; das Thema dieses Gartens lautet „Vielfalt als
Vorbild — Bionik
Mit den Baumaßnahmen zur BUGA 2011 in Koblenz musste
notgedrungen in den Lebensraum der heimischen Fledermäuse
eingegriffen werden. In der Stadt wurde dies zum öffentlich und
heiß diskutierten Thema, und es war übereinstimmend oberstes
Ziel, diesen Eingriff möglichst behutsam zu gestalten.
Dieses Thema wurde zur Entwurfsgrundlage für den Pavillon der
FH Koblenz. Der Pavillon soll dabei die Anwendung der Prinzipien
der Bionik in der Architektur darstellen und verdeutlichen.
Die Echo-Ortungsrufe der Fledermäuse sind für den Menschen
unhörbar; mit relativ einfachen technischen Mitteln können sie
hörbar gemacht werden.
Diese hörbar gemachten Ortungsrufe des „Abendseglers“ (einer
heimischen Fledermausart) wurden mit Hilfe einer Musik-
Bearbeitungssoftware als Oszillogramm dargestellt; daraus ergab
sich die grafische Darstellung der Schalldruckpegel der Ortungsrufe
in Abhängigkeit von der Zeit. Aus diesem Oszillogramm wurde der
Grundriss der Struktur abgeleitet.
Mit digitalen Methoden wurde aus diesem Grundriss am Rechner
eine doppellagige Hänge-Stützform berechnet. Diese Formen sind
optimal für die Lastabtragung geeignet und kommen deshalb in
der Natur sehr häufig vor. Dieses bionische Prinzip wird hier auf
den Entwurf der Konstruktion angewandt.
Diese digital ermittelte Form wurden mit Hilfe eines 3-D-Plotters im
verkleinerten Maßstab als Modell gedruckt („Rapid Prototyping“).
Antonio Gaudí und Frei Otto fertigten seinerzeit dafür noch
Hängemodelle aus Ketten. Hier wurde das Hängemodell nur
noch im Nachhinein aus Gründen der Veranschaulichung
des Entwurfsprozesses gebaut. Um die Vergleichbarkeit zum
Gipsmodell herzustellen, ist das Bild des Hängemodells hier um
180° gedreht.
Es lag nahe, den Pavillon aus dem natürlichen und nachwachsenden
Rohstoff Holz zu konstruieren. Der Werkstoff Holz bringt hier
seine Vorzüge überzeugend ins Spiel:
Holz ist recycelbar und weist eine positive Öko-Bilanz auf.
Außerdem sollte die Konstruktion von Studierenden selbst montierbar
und demontierbar sein. Die einfache Bearbeitungsmöglichkeit
und das geringe Gewicht von Holz bilden dafür die optimale
Grundlage.
Um die Konstruktion in Holz auszuführen, muss die nach bionischen
Prinzipien gefundene Fläche in ein aus Stäben zu konstruierendes
Gebilde zerlegt werden. Dazu wurde die Hängeform in
parallele Schnitte in drei Ebenen zerlegt; diese drei Ebenen stehen
jeweils im Winkel von 60° zueinander.
Damit wird ein weiteres bionisches Prinzip angewandt. Es entstehen
räumlich stabile Dreiecks- und Sechseckraster, die in
der Natur ebenfalls häufig anzutreffen sind (Bienenwaben,
Kieselalgen, Blütenformen etc.).
Die Verdichtungen des Maschenrasters bzw. die Abstände der
Schnittebenen richten sich, ebenfalls den Prinzipien der Natur
folgend, nach der Größe der statischen Beanspruchung in dem
jeweiligen Bereich.
In jeder der Schnittebenen wurde mit Hilfe eines räumlichen
Stabwerksprogramms ein Stabnetz generiert, welches aus
Obergurt, Untergurt und diagonalen Füllstäben besteht. Auf den
folgenden Bildern sind exemplarisch die Füllstäbe sowie die Stäbe
einer äußeren Gurtebene dargestellt.
Dieser Datensatz wurde gleichzeitig für das Aufstellen der prüfbaren
statischen Berechnung der Konstruktion verwendet.
Die komplette Planung wurde so auf Basis eines durchgängigen
digitalen „workflow“ umgesetzt: Ein millimetergenauer Basis-
Datensatz des kompletten Stabwerks mit ca. 6.000 Stäben und
6.000 Knoten und allen Anschlussexzentrizitäten, aufgebaut mit
RSTAB, einem Statik-Stabwerksprogramm, bildete den Dreh- und
Angelpunkt der kompletten Objekt- und Tragwerksplanung einschließlich
Visualisierungen: Der komplette Stabsatz wurde im
letzten Bearbeitungsschritt aus dem Stabwerks-Programm in das
Visualisierungsprogramm exportiert und dort weiterbearbeitet.
Die Zimmerei arbeitete auf Basis der aus dem digitalen workflow
exportierten Daten.
Die einzelnen Bauteile sind kurze, handliche Holzstäbe mit einheitlichem
Querschnitt in Modullängen, die mit einer bewusst
gewählten Low-Tec-Technologie zusammengeschraubt werden.
Mit Hilfe dieser Low-Tec-Fertigung wird eine mit High-Tec-
Entwurfsmethoden konstruierte Struktur realisiert, die zudem
recycelbar und mehrfach verwendbar ist.
Da auf einheimische Hölzer zurückgegriffen werden sollte, wurde
die Konstruktion aus Douglasiestäben, einem heimischen und sehr
witterungsbeständigem Material, zusammengeschraubt.
Vor der Umsetzung in die Realität war es von großer Wichtigkeit,
die Baubarkeit, die Geometrie und die Fügungen im Modell zu
testen. In der Schreinerei der Hochschule bauten die Studierenden
deshalb ein 1:1-Modell des schwierigsten Bereichs mit der dichtesten
Stablage und der gegensinnigen Krümmung. Die Erfahrungen
aus diesem mock-up flossen später in die Umsetzung der realen
Struktur ein.
Auf dem Boden der Struktur wird das Oszillogramm der
Ortungsrufe der Fledermaus mit LED-Leuchtstreifen abgebildet;
über Lautsprecher werden die hörbar gemachten Ortungsrufe
ausgesendet. Über Bewegungsmelder gesteuert aktivieren die
Besucher sowohl die LED-Leuchtstreifen wie auch die Aussendung
der akustischen Signale.
Nach Ende der Ausstellungszeit auf der BUGA wird der Pavillon
demontiert und auf dem Campus der FH Koblenz auf der Karthause
in Koblenz wieder aufgebaut (dann mit auf Dauerhaftigkeit ausgelegten
Fußpunkten, was für die Dauer der BUGA-Ausstellung
nicht erforderlich war).
Der Pavillon ist auf der BUGA ein Anziehungspunkt für Jung und
Alt und hat sich schnell zu einem Publikumsmagneten entwickelt.
Projektbeteiligte:
ilcom — Institut für leichte Konstruktionen und Material
Fachhochschule Koblenz, Fachbereich Bauwesen
Prof. Dr.-Ing. Manfred Feyerabend
Prof. Dr.-Ing. Arch. Markus Holzbach
Jennifer Böhm B.A., Simon Görgen, Raunahi Hamo, Andreas
Meister, Constantin Müller B.A., Kristina Mülligann B.A., Natalie
Münch B.A., Alexander Schumann, Chao Yang.
Planung Licht und Ton:
Fachhochschule Koblenz (RheinahrCampus Remagen)
Fachbereich Mathematik und Technik
Prof. Dr. Jens Bongartz
Dipl.-Ing. Alexander Jenal M. Sc.
Thomas Giese
Martin Krings
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- „treehugger“
Der Pavillon „treehugger“ ist das Ergebnis eines Forschungsund
Entwicklungsprojekts, durchgeführt durch das
Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation
der Handwerkskammer Koblenz mit der Fachhochschule Trier,
Lehrgebiet Digitales Konstruieren und Entwerfen, und dem
Architekturbüro one fine day, Düsseldorf. Die Fachrichtung
Intermedia Design hat in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich
Informatik verschiedene Konzepte zur medialen Bespielung
des Pavillons erarbeitet. Für die Tragwerkplanung sowie das
3D-Engineering wurde das Frankfurter Büro OSD hinzugezogen.
OCHS Holzbau aus Kirchberg hat den Pavillon realisiert.
Durch die Planung und Realisierung eines Pavillons für die
BuGa 2011 in Koblenz sollte die Anwendung computergestützter
Entwurfs- und Fertigungstechnologie Studierenden wie
Ausführenden praktisch und exemplarisch erfahrbar gemacht
werden. Somit stand nicht nur der Pavillon selbst, sondern
vor allem dessen Entwicklungsprozess im Vordergrund unserer
Bemühungen.
„treehugger“ befindet sich neben der Kirche St. Kastor in der Nähe
des deutschen Ecks. Auf einem bisher als Parkplatz genutzten
Grundstück und unter einem Blätterdach bestehender Linden,
besetzt der Pavillon eine Schnittstelle zwischen dem Gelände der
BuGa und dem umgebenden Stadtraum. Nach der BuGa 2011
wird der Pavillon demontiert und am Neubau des Zentrums für
Ernährung und Gesundheit (ZEG) der Handwerkskammer Koblenz
wieder errichtet.
Pavillons müssen als fliegende Bauten nicht notwendigerweise
spezifische Aspekte eines Ortes verarbeiten - im Gegenteil: oft
entsteht eine besondere Spannung zwischen einem Ort und der
Eigenständigkeit eines Pavillons. Trotzdem haben wir spezifische
Eigenheiten von Ort und Anlass in der Entwurfsfindung verarbeitet.
Dabei ermöglicht die Synthese dieser Parameter ein reichhaltiges
inhaltliches Gerüst, das den Pavillon zwar formal und konstruktiv
eigenständig erscheinen lässt, jedoch auf verschiedenen
Bezugsebenen den besonderen Kontext präzise beantwortet. Die
daraus resultierende architektonische Struktur ist damit sowohl
ortsspezifisch als auch prototypisch.
„treehugger“ muss während der BuGa 2011 nicht nur als formaler
und räumlicher „eye-catcher“ funktionieren. Vor allem müssen
die durch die Handwerkskammer Koblenz und ihre Partner veranstalteten
Vorträge und Abendveranstaltungen, Ausstellungen
und Seminare räumlich abgebildet werden. Dabei unterstützt
die besondere Geometrie des Raumes diese unterschiedlichen
Funktionen, ohne dass der Raum eigenschaftlos sein muss: ein
Rundgang durch die Ausstellung wird im Grundriss ebenso ablesbar,
wie ein Zentralraum für Veranstaltungen oder das vernetzte
Arbeiten in workshops. Die Verschmelzung unterschiedlicher
Raumtypen spiegelt sich in einem mehrfach nutz- und lesbaren
Raum wider, klare Funktionsanordnungen werden durch
Überlagerung ambivalent.
Dazu wird ein mehrfach symmetrisches Raster aus fünfeckigen
Modulen punktsymmetrisch um eine bestehende Linde herum
angeordnet und dabei sowohl als raumbildende, aber auch als
konstruktive Struktur genutzt. Durch Verzerrungen dieses Rasters
entstehen fünf Verbindungen zwischen Boden und Dach, die
dort in Überhöhungen münden – ein dreidimensional verformtes
Rost entsteht, dass in seiner strukturellen Ornamentik den
formalen Ausdruck des Gebäudes ebenso bestimmt, wie es Last
abträgt, besondere Ausblicke in das Blätterdach ermöglicht, den
Lichteinfall kontrolliert und gleichzeitig Funktionen differenziert.
Durch die Kombination grundlegender Symmetrien und lokal
angewandter Differenzierung entsteht eine ablesbare Balance
zwischen methodischer Rigorosität und zur Schau gestellter,
struktureller Komplexität.
Konzeption, Entwurf und Konstruktion des Pavillons wurden
genutzt, um unterschiedliche digitale Formfindungsund
Konstruktionsmethoden zu erproben. So wurde während
der Entwicklung „klassisches“ NURBS-Modelling genauso
genutzt, wie aktuelle Methoden assoziativen Modellierens oder
Programmierens.
Der Vorteil dieser Werkzeuge liegt klar in der Möglichkeit
der gleichzeitigen Lösung konzeptioneller und konstruktiver
Problemstellungen. Der methodische Bruch zwischen analogem
Konzipieren und digitaler Ausarbeitung entfällt. Ein ursprünglich
linearer Entwurfsweg – von der Skizze zur CAD-Zeichnung zum
Gebäude – konnte zu Gunsten eines kontinuierlich reversiblen
digitalen Modells aufgegeben werden. An diesem konnten nun
gleichzeitig konzeptionelle Fragen, Raumbildung, Statik und
Baukonstruktion ständig miteinander abgeglichen werden. Der
so iterativ entwickelte Datensatz wurde letztlich ohne zeichnerische
zweidimensionale Darstellungen als 3D-Geometriemodell an
die ausführende Firma, OCHS Holzbau, übergeben und dort als
Grundlage für den computergestützten Abbund verwendet.
Das Projekt wurde durch das rheinland-pfälzische Ministerium für
Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz unterstützt. Die Mittel
stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
(EFRE) der Europäischen Union. Das Trierer Unternehmen Alwitra
hat die Dachdeckung finanziert.
Architekt ofd
Fotos Roland Borgmann
Weitere Informationen im Projekt-weblog:
www.buga2011.tumblr.comoder
im Lehrgebiet Digitales Konstruieren und Entwerfen der FH Trier:
www.toolboxtrier.wordpress.com
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- Ungebaut ist häufig die
bessere Architektur
Es gibt viele Gründe, dass auch sorgfältig geplante Bauten nicht
realisiert werden; dem Bauherrn geht das Geld aus, die städtebaulichen
Vorgaben ändern sich, ein Konkurrent hat plötzlich die
besseren Karten oder Beziehungen und erhält den Auftrag. Jeder
Architekt kennt diese Situation, aber sie ist immer aufs Neue
ärgerlich.
Bei Wettbewerben akzeptieren Architekten, dass nicht alle gewinnen
können und nur die wenigsten einen Preis oder Ankauf erhalten.
Deren Entgelt deckt aber fast nie die Kosten der Arbeit, die
die Entwerfer in ein Projekt hinein gesteckt haben. Dennoch gilt
der Architektenwettbewerb, bei dem in der Vergangenheit die Zahl
der Teilnehmer fast immer um ein Vielfaches höher war als die
Zahl der Preise, nach wie vor als probates Mittel der Aquisition.
Auch wenn inzwischen besondere Zulassungen längst nicht mehr
alle, sondern nur noch ausgewählte Architekten die Teilnahme
ermöglichen. Die Hoffnung darauf, einen ersten Preis zu erhalten,
stirbt zuletzt.
Zwar ist sich die Architektenschaft über den volkswirtschaftlichen
Wahnsinn der schieren Menge dieser unbezahlten Entwürfe – welcher
andere Berufsstand erbringt sie noch? – einig, doch davon
lassen wollen die wenigsten. Allerdings
mehrt sich die Zahl derer, die es sich finanziell einfach nicht mehr
leisten können, über Wochen und Monate Entwürfe zu erarbeiten,
die dann für immer unbeachtet und vor allem ungebaut in
irgendeiner Schublade oder im Papierkorb landen. Nicht viele
Architekten haben ja die Qualität – und das Renommee – eines
Mies van der Rohe, dessen ungebaute Vision eines transparenten
Hochhauses in Berlin am Bahnhof Friedrichplatz alle paar Jahre
neue Interessenten findet, die es vielleicht doch noch bauen
möchten.
Die europäischen Länder – allen voran Deutschland – mit ihrer
langen Tradition zahlreicher Wettbewerbe könnten jedes ein
Museum ungebauter Projekte errichten. Ihr frischer Nachschub
für alle Zukunft wäre gesichert und ihre Archive immer auf
dem letzten Stand der gesellschaftlichen Diskussion von
Architektur. Überhaupt wäre eine solches Museum eine eindrucksvolle
Dokumentationsstätte. Denn in einer nicht realisierten
Architektur spiegeln sich die „Wünsche, Ideen und Träume“
(Robert Kaltenbrunner) einer Gesellschaft nicht selten klarer als in
der gebauten Wirklichkeit.
Der holländische Schriftsteller Cees Noteboom, ein begabter
Flaneur mit seinem Faible für europäische Architektur und
Städte, analysierte in seinem im Jahre 2ooo publizierten Buch
„Nie gebaute Niederlande“ nicht nur, wie Holland hätte aussehen
können, sondern auch das Paradox, warum das Nichtverwirklichte
im Bauen so viel darüber aussagt, weshalb die Niederlande so
aussehen, wie sie es tun.
Ungebautes ist für den Nutzer bzw. Bürger und den Architekten
von ganz unterschiedlicher Bedeutung. Für den Nutzer ist das
Unrealisierte nicht existent; er kennt die Entwürfe von Architekten
meist nicht, und selbst wenn er sie vielleicht einmal in einer
Bautenausstellung sieht, kann er sie wahrscheinlich als Pläne nur
schwer lesen und vergisst sie schnell wieder. Für den Architekten
dagegen, der seine Planung mit viel Zeit und Sorgfalt zu Papier
oder in den Computer gebracht hat, macht ein unrealisierter
Entwurf kaum einen Unterschied zum fertig gestellten Bau.
Beides ist das Produkt seiner Phantasie und Begabung, seines
Fleißes und seiner Sensibilität; beides trägt seine Handschrift bzw.
spiegelt seine Einstellung zum Bauen wider. Und auch für seine
weitere architektonische Entwicklung ist es im Grunde ohne große
Bedeutung, ob sein Entwurf Idee geblieben oder Wirklichkeit
geworden ist. Eben deshalb werden in von Architekten herausgegebenen
Publikationen die unrealisierten Entwürfe auch mit
der gleichen Sorgfalt aufbereitet wie die gebauten Häuser. Auch
Bauhistoriker machen diesen Unterschied gewöhnlich nicht.
Es ist eine Binsenwahrheit, dass bei der Realisierung einer
Planung die überzeugendsten Elemente eines Entwurfes nicht
selten verloren gehen. Fast könnte man die These aufstellen,
dass jeder noch nicht verwirklichte Bau möglicherweise besser
als der fertig gestellte sei. Jeder kennt Beispiele von ausgezeichneten
Wettbewerbsbeiträgen, die, endlich realisiert, nichts mehr
von ihrer ursprünglich hoch gelobten Qualität und Faszination
erkennen lassen. Fassungslos steht man nicht selten vor solchen
Bauten, die kaum als Architektur bezeichnet werden können, und
bezweifelt die Fähigkeiten der Juroren, die ein solches Projekt im
Wettbewerb prämiert haben. Dabei hat nur die Wirklichkeit mit
ihren Sachzwängen zugeschlagen.
Nicht umsonst gab und gibt es einige Architekten wie seinerzeit
Leon Krier, die explizit verlauten lassen, dass sie nicht bauen wollen.
Bauen - sprich Realisieren- würde ihre Entwürfe banalisieren
und herabwürdigen. Freilich muß ein solcher Architekt eine andere
Einnahmequelle zum Leben haben als die gebaute Umsetzung
seiner Architektur. Aber nur wenige Glückskinder sind in einer
solchen Situation.
Es ist denn aber auch die Frage, wer denn nun eigentlich ein guter
Architekt ist; derjenige, der kühne Träume zu Papier bringt, aber
am liebsten darauf verzichtet, sie zu realisieren, weil das zahlreiche
Kompromisse einzugehen bedeuten würde. Oder derjenige,
der als Gestalter das Schwarzbrot seines Berufes akzeptiert und
mit Leidenschaft, Sorgfalt und leichter Hand die Begrenzungen
im Bauen akzeptiert und zu Baukunst fügt.
Walter Gropius muß man eindeutig zu der zweiten Kategorie
zählen. Er definierte architektonisches Gestalten als „in Fesseln
tanzen“ und meinte damit, dass der Architekt bei aller Freiheit
seines Tuns sich an den realen Gegebenheiten zu orientieren
habe: an den administrativen Realitäten des Baugeschehens, an
den praktischen Wünschen des Bauherrn, an den politischen
Einschränkungen und an den finanziellen Möglichkeiten, um nur
einige zu nennen.
Angesichts solcher Ausführungen mag mancher nach dem Sinn
oder Un-sinn von Utopien fragen. Utopische bzw. Idealkonzepte in
der Architektur und im Städtebau vernachlässigen meist bewusst
jegliche Realitätsbezüge; ihnen geht es nicht um einen Beitrag
zur gebauten Wirklichkeit, sondern zur theoretischen Diskussion.
Natürlich wurden auch solche Idealkonzepte realisiert, vor allem
in der Renaissance, aber sie blieben die absolute Ausnahme. Und
zwar weil sich nie oder selten die starke, reiche und mächtige
Persönlichkeit fand, die sich für dergleichen Entwürfe stark machte
und sie realisierte.
Auch manche Architekturrichtungen wie zum Beispiel der in der
Sowjetunion vor dem 1.Weltkrieg entstandene Konstruktivismus
mit seiner Tendenz zu einem radikalen Technizismus blieb sehr viel
stärker eine Vision als er gebaute Wirklichkeit wurde. Die meisten
der großen Entwürfe von Tatlin, Melnikow, Vesnin und El Lissitzky
blieben ungebaut, weil einerseits das Geld zu ihrer Realisierung
und ihnen andererseits auch die politische Überzeugungskraft zu
einer Verwirklichung fehlte. Daß sie allerdings ungebaut blieben,
nimmt den aufregenden Entwürfen nichts von ihrer Radikalität
und ihrem Faszinosum. Bis heute.
Text Ingeborg Flagge
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- Museum für Kultur -& Zeitgeschichte & Naturkunde,
Luxemburg
Christian Bauer & Associés
Stadtraum & Landschaft
Der Ort ist gekennzeichnet durch seine Lage an der Ilmenauaue,
in direkter Nachbarschaft zum Innenstadtkern. Die belebte
Willy-Brand-Stasse einerseits und der parkartige , stadtseitige
Naturraum sind prägend für das Grundstück. Die heterogene bauliche
Substanz der Bestandsgebäude des Fürstentums Lüneburg
stellt die südliche Begrenzung des Grundstücks dar und auch
gleichzeitig die Hauptherausforderung im Anschluss der neuen
Funktionen an die Bestehenden.
Das Konzept sieht einen zukünftigen Weiterbau des Museums im
Bereich der bestehenden Gebäude vor. Zum heutigen Zeitpunkt
ist es allerdings durchaus vorstellbar, den Krügerbau in das
Neubaukonzept miteinzubeziehen. Dieser könnte entweder renoviert
und mit neuen Funktionen belegt werden, oder an seine
Stelle könnte in zweiter Phase ein Erweiterungsabschnitt treten.
Ein dritter Abschnitt könnte in der Überbauung des eingeschossigen
Saales bestehen, und somit die geschlossene und kompakte
Gesamtmuseumsform vollenden. Eine Erweiterung auf der
Nordseite des Museums an der Stelle des öffentlichen Grünraumes
zur Kreuzung hin ist vorstellbar, aber nicht prioritär.
Die stadträumliche Betrachtung weist den Ort als Teil eines
öffentlichen Naturraumes entlang der Ilmenau aus, der durch die
Bebauung entlang der Willy-Brand-Strasse östlich begrenzt wird.
Der öffentliche Freiraum kann quer durchwegt werden. Auf diesem
Weg findet man wie selbstverständlich den Haupteingang
auf der Nordseite des Gebäudes, die im Park verstreuten
Ausstellungselemente sowie das Café, das auch ausserhalb der
Öffnungszeiten des Museums zugänglich ist.
Das Freiraumkonzept arbeitet mit der Idee, der belebten Willy-
Brand-Strasse „urban“ zu begegnen mit der Bepflanzung durch
eine arkadenartige Baumreihe aus Linden. Diese führen in der
Flucht des Museumsbaukörpers die Ruhe und Geradlinigkeit
weiter, und lassen genügend Durchblicke in den Park zu. Der
Grünraum zur Ilmenau ist geprägt durch die langsame Auflösung
der „Strenge“ mittels in grossen Pflanzgefässen aus Cortenstahl
gesetzten Trauerweiden.
Dieser Grünraum beherbergt strassenseitig einige Parkplätze,
deren Beschaffenheit sich dem Grünkonzept unterordnet. Es
handelt sich um Parken im Park unter Bäumen. Der Park wird
zum Ufer hin durch beleuchtete Bänke strukturiert, die auch der
Wegeführung dienen und auf dem wassergebundenen Weg durch
die Aussenausstellung führen.
Die Bodenmaterialien bewegen sich zwischen hellem Naturstein
für den Museumsvorplatz über hellem Natursteinsplit für die
Wassergebundenen Wege bis hin zu grünen Schotterrasenflächen
und unberührten Uferzonen mit natürlichem Bewuchs.
Architektur & Materialität
Der Museumsneubau fügt sich in diesen Landschaftsraum ein,
ohne diesen komplett nach Osten abzuschliessen.
Das Museum konzentriert seine Funktionen im direkten Anschluss
an den Bestand, der Naturraum öffnet sich nach Osten und und
gibt den Blick frei über die Ilmenau in Richtung Innenstadt.
Das Konzept des ergänzenden Museumsneubaus gründet auf der
festen Überzeugung, die Funktionen komprimiert und intelligent
an den Bestandsbau anzuknüpfen. Es wurde eine kompakte
Bauform gewählt, die über eine gläsernen Erschliessungsspur an
den denkmalgeschützten Altbau anbindet. Dabei folgt die Form
des Neubaus den naturräumlichen Grenzen und staffelt seine äussere
Form der Uferlinie nach. Der Weg durch die neue Ausstellung
soll Bestand und Neu auf kurzen Wegen miteinander verbinden,
Wegbeziehungen sollen klar, eindeutig und selbsterklärend sein.
In dieser Logik sind die neuen Ausstellungsebenen der bestehenden
Ausstellungen angepasst.
Es entsteht ein zweigeschossiger Baukörper, der die Verbindung
der beiden Ausstellungsebenen Bestand-Neu barrierefrei ermöglicht.
Wege durch die Ausstellung
Ein grosszügiges Foyer mit Vertikalerschliessung, Kasse,
Museumsshop und Anbindung an das Museumscafé gibt den Bilck
auf den Eintritt in die Ausstellungsflächen frei.
Nach Überwindung eines halben Geschosses betritt der Besucher
das Museum in der Mittelachse des grossen, multifunktionalen
Raumes, der durch seine aufgestaffelte From auffällt. Je nach
Ausstellungskonzept durchläuft der Besucher den Raum, überquert
an seinem Ende die Glasfuge und gelangt in die bestehenden
Ausstellungsflächen. Zurück in der Glasfuge, kann der
Besucher auf seinem Weg nach oben zwischen der Treppe mit
Blick in den Park oder dem Aufzug wählen. Er kommt auf Ebene
+2 an und taucht erneut in den Ausstellungsbereich Bestand
ein, danach in den Ausstellungsbereich Neu ein, der durch
Dachflächenoberlichter eine mögliche Tagesbelichtung erhält.
Der Raum staffelt sich wieder zurück und gibt am Ende den Weg
frei in das Foyer. Hier besteht die Möglichkeit zum Ausklang die
Treppen durch den Luftraum des Foyers nach unten zu gleiten
oder den verglasten Aufzug zu nehmen.
Eine weitere Möglichkeit, das Museum zu verlassen besteht darin,
in der Glasfuge zwischen Alt und Neu bis in die Freiraumebene zu
gelangen, und entlang der Uferlinie im verglasten Verbindungsgang
Kontakt zur Natur aufzunehmen.
Ein Glasgang stellt die interne Verbindung zum Innenhof und
damit zum Bestandsbau her. Eine Überdachung des Hofes ist
angedacht, um weitere Ausstellungsfläche und einen zentralen
Bereich mit Angliederung aller Funktionen zu schaffen.
Die Lagegunst des Museums macht einen starken Naturbezug
möglich und eröffnet gerade für das Naturkundemuseum hier die
Option, Freiraum mit Ausstellung zu verbinden
Materialität
Die Materialien sind ortstypisch und damit ortsverbunden.
Eine Ziegelfassade prägt den Hauptbaukörper. Die Oberflächen
sollen subtil texturiert sein, die Lebendigkeit des Ziegelbrandes in
Verbindung mit vor-und zurückspringenden Ziegeln strukturieren
die Fassade. In Teilbereichen gibt der Ziegel Öffnungen frei, die
Licht in den Innenraum fallen lassen und Ausblicke ermöglichen.
Zur belebten Willy-Brand-Strasse gibt sich der Baukörper verschlossen,
einige gezielt gesetzte Ausblicke rythmisieren die
Fassade. Die Räume in Ebene -1 erhalten ihr Tageslicht durch die
Ziegel, die im Sockelbereich auf Lücke vermauert werden.
Als weiteres Material soll Glas eingesetzt werden, das im Bereich
der Glasfuge zwischen Bestand und Neubau Durchsichten zum
Park ermöglicht.
Die erdgeschossige Verbindung durch den Glasgang von
Haupteingang zum Bestandsgebäude ist parkseitig ebenfalls verglast
und vermittelt die verschiedenen Höhenniveaus.
Dieser “Wandelgang“ dient der Verbindung der Funktionen untereinander
sowie der Verbindung der Ausstellung mit der Natur.
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- Archäologische Zone + Jüdisches Museum,
Köln
Christian Bauer & Associés
Rekomposition der Stadträume.
Die Stadt Köln verdient die Wunden der Zerstörung durch das
Wiederherstellen von Plä-tzen und Gassen zu schließen.
Platzfolge: Rathausplatz, neuer kleiner Museumsplatz
auf einer vermittelnden horizontalen Ebene.
Das Platzgefüge wird inhaltlich zoniert. Der Rathausplatz als
Platz der Bürger. Der neu geschaffene Museumsplatz wird auf
die Ebene des Wallraff-Richartz-Museums angehoben. Er bildet
die Drehscheibe für drei verschiedene kulturelle Institutionen
und erlaubt auch die Integration der Erweiterung des Wallraff-
Richartz-Museums durch die Fondation Corboud.
Die Synagoge als Ankerpunkt der baulichen
Hinterlassenschaften jüdischer Kultur in Köln.
Sie war der Mittelpunkt der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde
und wird als Symbol in ihrem Geiste und ihrer Figur wiedererweckt.
Das schwebende Museum:
Einfassen eines sakralen Raumes über den Ruinen der Synagoge.
Die Struktur des Museums respektiert die Hinterlassenschaften
vergangener Zeiten und schützt sie für kommende Generationen.
Der besondere Raum der Synagoge wird neu interpretiert und
erhält wieder einen sakralen Charakter. Er ist eingefasst im
Jüdischen Museum.
Panoramalift zum Startpunkt und Herabschreiten
in die Geschichte.
Der Museumsbesucher startet seinen Rundgang durch die
Themenbereiche im oberen Ausstellungsgeschoss und schreitet
in Zeit und Raum immer weiter herab bis er bei den Anfängen
der jüdischen Gemeinde und den mittelalterlichen Ruinen
anlangt.
Materialität der Fassade.
Gefügte großformatige Kunststeinquader mit variierenden
Oberflächen vermitteln zwischen Alt und Neu, zwischen
Traditionen und Technologie.
Klima und Kostenökonomie.
Durch gute Abschirmung der Außenklimate und Dosierung des
natürlichen Lichts ist wenig Gebäudetechnik erforderlich. Die
Unterhaltskosten bleiben niedrig.
Eingang zur Archäologischen Zone
an der Schnittstelle zwischen beiden Plätzen.
Der gläserne Eingangskubus ist das nach außen sichtbare Symbol
und vermittelt zwischen beiden Stadträumen.
Die Platzgestaltung als Abstraktion der Archäologie
Die linearen Strukturen der Platzgestaltung des Rathausplatzes
sind eine Spiegelung der Ruinenstruktur. Sie materialisieren
sich in transparenten und transluzenten Glasschlitzen, sowie in
Glaskörpern und Sitzbänken. Der Platz wird zur Lichtskulptur in
der Nacht.
Rundgang für Ruinenfeld und begleitende Austellungsmöglichkeiten.
Die Wegeführung erfolgt durch eine Sequenz von Stegen und
Plattformen, welche didaktisch wichtige Schwerpunkte vermitteln.
Die einführende Ausstellung beherbergen die teilweise historischen
Räume des Rathauses.
Hinabsteigen durch den Lichtkörper.
Der Eingangskubus öffnet die unterirdische Welt. Er schafft eine
offene Verbindung von Oben und Unten. Tageslicht dringt in das
Foyer. Er erstrahlt in der Nacht.
Lichtschlitze für das Ruinenfeld.
Die linearen Deckenöffnungen ermöglichen den dosierten Einsatz
natürlichen Lichts. Sie gewähren Einblicke in die Unterwelt, des
römischen Kölns und verdeutlichen nach außen die versteckten
Strukturen der Zeit.
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- Stadtmuseum Wiesbaden
Christian Bauer & Associés
Baukörper - Nutzung
Ein geschlossener Ausstellungskubus wird von einer gläsernen,
sonnengeschützten Hülle umschlossen. Zwischen Hülle und
Kubus liegen dienenden Funktionen wie Erschliessungen und
Infrastrukturen.
Ein zweiter Baukörper enthält die dem Museum zugeordneten
Funktionen. Das Untergeschoss verbindet beide Gebäude auf
Ebene -1 und enthält die Lager, Depots und die Technik. Der
entstehende Freiraum zwischen den Baukörpern bildet einen
öffentlichen Platz mit Café und Wasserbecken. Die Durchlässigkeit
der Fassade im Erdgeschoss wird durch die unterschiedlich tief
herabgezogenen Vertikallamellen der Fassade bestimmt. Diese
geben den Blick mal mehr mal weniger frei und wecken so die
Neugier des Passanten.
Innerer Funktionablauf
Der Besucher betritt das Museum zu ebener Erde. Angezogen
durch einen sich nach oben trichterförmig verjüngenden Raum
betritt er den gläsernen Aufzug und beginnt seine Zeitreise
ohne Zwischenstop in die Geschichte der Stadt. Entlang der
Trichterwände, die durch die verglasten Aufzugskabine erlebbar
sind, könnte der Weg zurück in die Zeit dargestellt werden, um
den Besucher auf dem Weg nach oben bereits mit dem Kontext
vertraut zu machen.
Der Rundgang erfolgt von oben nach unten, die Geschichte beginnt
auf Ebene +3 und endet in der Ebene 0, in der Gegenwart, wo auf
der Ebene des Platzes Diskussionen und Gespräche das Jetzt und
das Morgen der Stadt thematisieren. Auf Ebene +3 beginnt die
spezielle Ausstellung mit der Abteilung I, Quellen – Nassauer ; bis
Anfang 19.Jhd. Der Besucher durchläuft die Kabinette und verlässt
den inneren Kubus und tritt heraus auf die der Wilhelmstrasse
zugewandte Galerie, die mit ihren Treppen den Weg in die nächsten
Geschosse nach unten eröffnet, oder zum Betrachten der
Stadtsilhoutte einläd. Die Ebenen +2 und +1 werden in gleicher
Weise erschlossen. Aus dem hellen glasumhüllten Freiraum betritt
der Besucher an der gegenüberliegenden Seite wiederum den
Ausstellungskubus und durchläuft weitere Kabinette. Nach dem
Austritt aus der Ebene +1 folgt der Besucher dem Treppenlauf der
auf halber Strecke in das Erdgeschoss abknickt, den Blick auf das
Foyer freigibt und der Rundgang mit der Beschäftigung mit der
Gegenwart und der Zukunft Wiesbadens zu einem offenen Ende
geführt werden kann. Die Wechselausstellungsfl ächen liegen vom
Foyer und von aussen guteinsehbar in Ebene -1 und sind somit
von der Dauerausstellung unabhängig. Das Untergeschoss enthält
alle Depots und die Technik. Die Anlieferung erfolgt über die der
Rheinstrasse zugewandten Platzseite direkt zum Lastenaufzug im
Museum.
Der Platz wird begrenzt durch den rückwärtigen Baukörper, der
das Museumscafé, die Bibliothek und die Verwaltung beinhaltet.
Materialien / Anmutung
Die sanftrote Farbe des allgegenwärtigen Natursteins in Wiesbanden
führt zur Verwendung eines roten Tonmaterials für die äussere
Hülle aus vertikalen Lamellen. Das Gebäude spricht eine klare,
ruhige und klassische Formensprache, nimmt Bezüge zum Ort zur
Geschichte und zur Bautradition Wiesbadens auf und behauptet
sich doch selbstbewusst. Die vertikalen Lamellen übernehmen den
äusseren Sonnenschutz und hüllen das Gebäude in ein abstraktes «
Kleid ». Es lässt einen in seiner Höhe variablen horizontalen Streifen
auf Ebene 0 für direkte Einblicke des Passanten frei. Die darunterliegende
Glasfassade erfüllt die Funktion der energetischen
Klimahülle. Eine eigenständige Stahlstruktur trägt die Fassade,
aufgestellt mit Abstand zum massiven Ausstellungskubus, an den
sie rückverankert ist. Der Zwischenraum enthält die Haupttreppe,
die Fluchttreppen, Lastenaufzug und Pesonenaufzug sowie die
Technikinfrastrukturen. Das innenliegende Ausstellungvolumen
ist ein abstrakter Betonkubus, der durch seine Massivität die
Aussenwelt akustisch und visuell abschirmt und einen energetischen
Speicherkörper darstellt.
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- Turm Belval-Ouest, Luxembourg
Bruck & Weckerle Architekten
Die mächtigen, alles überragenden Hochöfen in Belval-Ouest mit
ihrer bizarren Schönheit, dem Verwirrspiel unzähliger Treppen,
Rampen, Öffnungen und Durchblicken, prägen die Stimmung und
den Charakter des Ortes. Durch die Neubauten der Rockhal und
des Nationalarchivs wird der südliche und der östliche Rand des
Hochofenplateaus mit grossen, vorwiegend geschlossenen und
aus Sichtbeton bestehenden Objekten bebaut. Das villenartige,
ehemalige Direktorenhaus der ARBED behauptet sich unmittelbar
vor der Rockhal.
In diesem heterogenen Kontext, geprägt durch historische
Zeitzeugen und die verschiedensten Massstäbe, manifestiert
sich das neue Bâtiment administratif als ein kräftiger, skulptural
geformter, sechzig Meter hoher Gebäudekörper. Seine polygonale
Form scheint eher industriellen Gebäuden entlehnt als
der Typologie eines klassischen Bürogebäudes. Mit seinen fünf
gleichwertigen Fassaden und seiner prismatisch gebrochenen
Haut reflektiert das Gebäude die Umgebung in Fragmenten
und überspielt seine eigene Massstäblichkeit. Es entsteht ein
weit herum sichtbares, eigenständiges Objekt, ein Signal für die
Aufbruchstimmung der ehemaligen Industriebrache.
Der niedrige Teil des Gebäudes mit seinen öffentlichen Funktionen
reagiert auf den unmittelbaren Kontext, vermittelt zwischen den
unterschiedlichen Massstäben des Nationalarchivs sowie des
ehemaligen Direktorengebäudes und bildet zugleich eine klare
Eingangssituation.
Der hohe Teil, mit den Bürogeschossen, befreit sich von der
orthogonalen Geometrie des niedrigen, im Kontext integrierten
Teils. Er tritt nicht nur mit den Hochöfen in einen Dialog sondern
knickt als eine Geste des Respektes vor dem ehemaligen
Direktorengebäude zurück, und scheint im Südosten von den
Industriegleisen gleichsam abgeschliffen zu sein.
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- Maison unifamiliale à Bergem
bsarc bourguignon Siebenaler
D’apparence classique, le principe d’ordonnancement de cette
parcelle de 6,40 ares joue sur le registre d’une stratification
intégrale.
En contact avec la voirie le recul avant protège efficacement
l’habitation des nuisances urbaines grâce à une végétation dense.
Seul l’accès vers le rez-de-chaussée inférieur est le point d’échange
entre l’espace public et l’habitation.
La zone d’aedificanti est utilisée sur l’entièreté de sa surface par
l’adoption d’un rez-de-chaussée bas et haut, ce concept permet
d’optimiser le potentiel constructible de la parcelle.
La troisième state correspond au jardin laissé libre de toute
intervention. C’est le point de fusion entre la parcelle et son
environnement.
La cour intérieure / en bleu / joue un rôle essentiel dans le concept
énergétique basse consommation de la maison. Située au centre
de l'habitation et pourvue d'une surface de toiture mobile, elle
permet de réguler les besoins énergétiques en fonction des saisons
et des conditions climatiques. A toiture fermée, elle capte le
rayonnement solaire pour le transformer en énergie calorifique
qui est ensuite diffusée dans l'ensemble de la maison (schéma 1).
A toiture ouverte, elle permet de réguler la température intérieure
de la maison en évacuant l'air chaud par effet de convection en
créant une circulation d'air frais (schéma 2).
La toiture verte s'inscrit également dans le concept de perméabilité
retenu pour l'ensemble des surfaces horizontales. La mise
en oeuvre exclusive de matériaux drainants / graviers, copeaux
de bois, gazon / permet d'éviter toute formation d'eau de ruissellement,
à l'origine de nombreuses dérégulations environnementales.
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- Maison Cadonici Arbres
bsarc bourguignon Siebenaler
La maison Cadonici s’inscrit dans une vallée typée de la commune
de Profondville en Province de Namur. Le terrain rue à la forge
menant au hameau de Besinne longe un petit cours d’eau flanqué
de part et d’autre de collines boisées.
Le projet s’inspire de cette situation géographique remarquable
et cherche à s’approprier la topographie naturelle du terrain longeant
la rue à la forge. Le programme important du projet est
scindé en unité fonctionnelle ; nuit, loisir et jour organisé dans
des volumes simples, disposé en parallèlement à la rue. Les 3 volumes
accolés suivent la pente naturelle du terrain et se décrivent
par une volumétrie unique, un niveau bas de distribution et un
niveau supérieur partiel dominant le site. Le niveau bas enfoui
progressivement dans la colline distribue les fonctions depuis
le patio du volume central qui inonde le centre de la maison de
lumière naturelle. Chaque volume affirme son indépendance par
une légère différence de niveaux et une distribution verticale propre.
Les volumes partiels supérieurs disposés de part et d’autre du
patio intègrent les fonctions recluses du programme et donnent
accès à des terrasses dont les aspects dialoguent avec l’environnement
naturel. L’enveloppe continue en brique intègre le projet
davantage au site. La tonalité rougeâtre de la brique reprend la
couleur de la terre et sa mise en oeuvre sur toutes les parois, murs
et toitures, contribue également à l’intégration du projet au site.
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- Maison Peiffer Martelange
bsarc bourguignon Siebenaler
La maison Peiffer s’inscrit dans un environnement naturel remarquable,
dans un hameau de la commune belge de Martelange, au
coeur d’un espace naturel protégé. Située à mi-pente orientée au
nord-est, la parcelle bénéficie d’une vue imprenable sur la vallée
de la Sûre et les forêts luxembourgeoises toutes proches.
Face à cette nature magnifique, l’idée à l’origine du projet était
d’exprimer la maison comme un écho à ce lieu imposant. Notre
démarche s’est naturellement orientée vers une recherche abstractive
générée par l’expression du volume construit et des matériaux
utilisés.
Implantée sur la parcelle en léger recul par rapport à la voirie,
la maison prolonge le tissu bâti traditionnel. Le gabarit voulu
également dans cet esprit, s’exprime par la juxtaposition de
deux volumes contrastés. Alors que le volume principal se présente
sous la forme d’un parallélépipède rectangle déstructuré, le
volume secondaire s’inscrit simplement comme le prolongement
du niveau jardin.
La commune de Martelange étant jadis connue pour l’extraction
de l’ardoise, nous avons recherché par l’utilisation de ce matériau
à poser la maison dans le lieu. De teinte sombre, la pierre
ardoisière est ici mise en oeuvre sous forme d’une maçonnerie
traditionnelle, conférant au bâtiment l’aspect d’un monolithe aux
surfaces rugueuses.
Ainsi pensée, la maison Peiffer absorbe son environnement proche
et lointain pour se fondre avec évidence dans la mémoire du
lieu.
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- Peripheriebahnhof Cessange, Luxemburg
Göran Pohl & Steinmetz De Meyer
Im Rahmen des internationalen Wettbewerbs zum Neubau
des Peripheriebahnhofs Cessange war die Verknüpfung und
Weiterentwicklung städebaulicher Komponenten aus dem für das
Gebiet vorliegenden Masterplan mit dem Gebäudeentwurf eines
Peripheriebahnhofs zu erbringen.
Der Planungsvorschlag von POHL Architekten Stadtplaner mit
STEINMETZDEMEYER Architectes, Urbanistes gemeinsam
mit KNIPPERS HELBIG Advanced Engineering, TRANSSOLAR
Energietechnik, BARTENBACH Lichtlabor, und TTK
TransportTechnologieConsult erhielt von der Jury die Auszeichnung
des zweiten Preises. Herausragend sei nach Ansicht der Juroren
die städtebaulich/architektonischen Ausbildung und die hohe
Funktionalität.
Die Bahnhofskonzeption ist im vorliegenden Wettbewerbsprojekt
auf die übergreifende Verbindung der sich im Masterplan ergebenden
Stadtquartiere und die Parallelen zur Landschaft und
Umgebung ausgelegt. Entwurfsbestimmende Komponenten
für den Bahnhof Cessange sind die Vereinbarung der Ideen
der gebauten Grünräume, die maximale Flexibilität in der
Umsetzung und damit der Wirtschaftlichkeit, die Integration
des immateriellen Elements "Licht" im Zusammenhang mit
dem Anspruch nachhaltige, energieeffiziente Architektur zu
realisieren.
Das architektonische Ensemble wird als Bestandteil, als Fortsetzung
der landschaftlichen und urbanen Umgebung gestaltet. Dabei sind
die hügelige Landschaft Luxemburgs und die raumprägenden
Grünzonen der Umgebung entwurfsbestimmend. Die Leitlinien
sind "Licht", "Grün" und "Flexibilität".Technische Vorgaben
führten im Entwurf zur Variabilität der funktionalen Abläufe
insgesamt, insbesondere der Verkehrsströme für Bahn, Bus, Tram.
Folgerichtig wurde auch das Bahnhofsdach so entwickelt, daß
es in einzelnen kleinen Realisierungsetappen auch während des
Bahnbetriebes erstellt werden kann.
Der neue Peripheriebahnhof wird als geografisches Motiv in den
Kontext eingefügt, als "Hügel", der über den Gleisen schwebt, als
ob er aus dem konvergierenden Spiel natürlicher Kräfte entstanden
wäre. Die dynamische Struktur soll die "Geschwindigkeit"
symbolisieren, im Kontrast dazu verleiht die "Leichtigkeit"
der Umsetzung eine gewünschte natürliche Eleganz. Filigrane
Tragelemente, großzügige, lichtdurchflutete Raumfolgen und die
Gegenwärtigkeit von Tageslicht und Grünzonen an allen Stellen
erzeugen einen identitätsstiftenden Ort.
Das Motiv des "grünen" Bahnhofs stellt eine seiner konzeptionellen
Besonderheiten dar.
Die bereits im Masterplan angelegte Hauptpassage wird aufgenommen
und als "Grünachse" in den Bahnhof geführt. Eine
"Allée des Jardins" kreuzt die fortgeführte Parkwelle in der Mitte
der Hauptpassage und ermöglicht die funktionale Verknüpfung
aller Bereiche. Die als offene Baustruktur angelegte Hauptpassage
ist kein abgeschlossener Raum, aber überdacht. Notwendige klimatisch
abgeschlossene Funktionsbereiche im nördlichen Teil der
Hauptpassage sind als "Zellen" integriert.
Transparent und prägnant beinhalten diese Strukturen die notwendigen
Servicefunktionen, Informationsbereiche, Wartebereiche,
eine Markthalle und technische Einrichtungen des Bahnhofs.
Horizontale "hängende" Gärten verbinden in den Lichtöffnungen
die Bahnsteigebene und die Ebene Allée des Jardins. Intensiv
begrünte Dachgärten sind auf den Dächern der angrenzenden
Mantelbebauung geplant. Das Grünkonzept verknüpft sich mit
dem konzeptionellen Aspekt der optimalen Tageslichnutzung.
Die in Teilbereichen opak, transparent oder geschlossen ausgeführte
gläserne Dachhaut des Bahnhofsdaches erzeugt optimal gestreutes
Tageslicht auf der Bahnsteigebene. Zur natürlichen Belichtung
der Ebene Allée des Jardins wird die Bahnsteigkonstruktion
"perforiert". Gläserne "Lichtschächte" mit Lichtlenkelementen
und Lichtleitkonstruktionen vervollständigen die Schaffung der
optimalen Tageslichtsituation.
Besonders die geometrisch komplexe Konfiguration des
Bahnhofsgebäudes, die Modellierung des Bahnhofsdaches, die
Variantenabwägung und die konstruktive Ausformulierung machten
im Entwurf die Anwendung von 3D- Nurbs- Werkzeugen
erforderlich. Das Zusammenspiel der 3D- generierten Datenmodule
von Architekt und Tragwerksplaner ermöglichte von vornherein
ein hohes Verständnis bei beiden Planungspartnern und war
letztendlich Grundlage für den hochwertigen Planungsbeitrag.
An der Konzeption des Bahnhofsdaches ist dies am besten nachvollziehbar.
Parametrisches Design für das konstruktive Konzept des
Bahnhofsdachs
Das Tragwerk des Daches hat nach Abschluß der CAD- gestützten
3d- Simulationen seinen modularen Aufbau erhalten. Somit
kann die Größe des Daches nach Nutzungsanforderungen flexibel
in definierten Realisierungsphasen gebaut und erweitert
werden. Als Grundraster wurde dem Dachtragwerk ein Sechseck-
Modul zu Grunde gelegt. Dieses begrenzt die Hauptspannweiten
des Dachtragwerkes auf 15,0 bis 21,0 m. Diese Spannweiten,
als Ergebnis parametrischer Variantenuntersuchungen, ergeben
wirtschaftliche Trägerabmessungen und vermeiden übermäßig
schwere Bauteile. Gleichzeitig ermöglicht das verfeinerte
Sechseckmodul eine flexible geometrische Anpassung an die
wechselnden Gleisabstände und Bahnsteigbreiten. Die Stützen des
Haupttragwerkes werden durchgängig bis auf die Passagenebene
herunter geführt. Das Dach wird in Längs- und Querrichtung
durch die Rahmenwirkung des Haupttragwerkes ausgesteift. Die
gesamte Struktur besteht aus geschweißten Hohlkästen.
Auf dieses Primärtragwerk wird ein Sekundärtragwerk gelegt,
das die Spannweiten der Dacheindeckung weiter reduziert. Das
Sekundärtragwerk ist räumlich zu einer Kuppel geformt, so dass es
vorrangig als druckbeanspruchte Schalenstruktur trägt und sehr
schlank ausgebildet werden kann. Auch das Sekundärtragwerk ist
hierarchisch aus kleineren Sechseck-Modulen mit Spannweiten
zwischen 4,0 und 7,0 m aufgebaut.
Auf diesem Sekundärtragwerk liegt dann die eigentliche
Dacheindeckung auf, gehalten von einem über die gesamte
Dachfläche teppichartig durchlaufenden Dreiecksnetz mit
Seitenlängen zwischen 1,50 – 2,25 m. Im Zenith der Kuppeln ist
dieses Dreiecksnetz eine druckbeanspruchte Schale, zwischen
den Hochpunkten ein zugbeanspruchtes Flächentragwerk. Das
Dreiecksnetz ist verglast. Die Verglasung ist in Teilbereichen
bedruckt, um den Energie- und Lichteintrag zu reduzieren, mit
Solarmodulen belegt oder öffenbar.
Das Dach wurde so konzipiert, dass es "mitwachsen" kann, adaptiv
auf die verschiedenen möglichen Entwicklungsphasen sowohl
in konstruktiver als auch gestalterischer Hinsicht reagiert
Der hierarchische Aufbau der Tragstrukturen, deren Grundstruktur
des Sechseckes in verschiedenen Maßstabsebenen immer wieder
auftaucht, zieht Parallelen zu natürlichen Vorbildern, wie
beispielsweise den Schalen der Diatomeen. Hier wie dort werden
die hierarchischen Verfeinerungsschritte, ausgehend von
Primärtragelementen über das Sekundär- hin zur Tertiärstruktur
aufgebaut und erzeugen in der komplexen statischen Optimierung
eine stabile Hüllstruktur.
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- Erweiterung der Jugendarrestanstalt Berlin
Witry & Witry
Die JAA Berlin soll aufgrund bestehender Kapazitätsprobleme
eine baulich-technische und gestalterische Neukonzeption erhalten.
Die Erweiterung soll die momentane Belegungsfähigkeit von
33 auf 61 Arrestplätze erhöhen und einen effektiven und an der
Erziehung junger Menschen orientierten Jugendarrestvollzug
ermöglichen.
Der Entwurf von witry&witry erweitert das vorhandene
Gebäude-Ensemble mit einem Hauptgebäude und einem
Wohngruppengebäude. Der Haupteingang wird in das neue
Hauptgebäude verlegt, das - neben neuen Räumen für die
Verwaltung - das Besucherzentrum, den Speise- und Mehrzwecksaal
sowie die sozialpädagogischen Bereiche beherbergt und durch
seine Lage zum verbindenden Element zwischen den bestehenden
Häusern und dem neuen Wohngruppengebäude wird. Die zwei
zusätzlichen Wohngruppen sind in dem neuen Wohngruppenhaus
untergebracht, das sich zwischen das Hauptgebäude und das
bestehende „Haus 2“ platziert. Mit der Anordnung der Neubauten
wird der Innenhof mit seinem reichen Baumbestand zum neuen,
ansprechenden Zentrum der gesamten Anlage.
Die Jury bewertete positiv, dass sich die Neubauten maßstäblich
am Bestand der umgebenden kleinteiligen Gebäudestruktur orientieren.
In diesem Zusammenhang wurde insbesondere die neue
Eingangssituation gelobt, die durch die Form eines Giebelgebäudes
zum gestaltprägenden Element der Anlage wird.
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- Luxembourg, Cité policière
Witry & Witry
Durch die Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei in
Luxemburg entstand der Bedarf nach einem zentralen Standort der
Gesamtverwaltung in Luxemburg-Stadt, der alle Leistungsbereiche
vereint: Direktion, Verwaltung, nationale Einsatzzentrale, regionales
Polizeipräsidium, Kriminalpolizei, Internationale Zusammenarbeit,
Logistikzentrum sowie Ausbildungs- und Sportstätten einschließlich
der Wohngebäude für die Polizeischüler. Der mit dem ersten
Preis ausgezeichnete Entwurf des internationalen städtebaulichen
Wettbewerbs berücksichtigte die gestellten Anforderungen nach
der Einpassung des Gebäudekomplexes in eine Silhouette, die sich
im direkten Sichtbereich des Unesco-Weltkulturerbes „Altstadt
Luxemburg“ befindet. Gleichzeitig musste der Entwurf das Bild
von einer offenen und bürgernahen Polizeiverwaltung vermitteln.
Die charakteristische Topographie der Stadt Luxemburg mit ihren
Tälern, Felsen und Festungsanlagen wurde im Planungskonzept
aufgegriffen, indem dieses Wechselspiel zwischen Felsgesteinslagen
mit ihren Vorsprüngen und den dazwischen entstehenden Tälern
thematisiert wurde. Ein Teil des Gebäudeprogramms wird so zu
Felszungen mit begrünten Dächern als nutzbare Freiflächen,
wohingegen die Funktionen mit eher traditioneller Büronutzung
in einem mäanderförmigen Band auf der Plateaukante platziert
werden.
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- Wettbewerb Platzgestaltung Esch Belval
Bob Strotz & flos und k
Eine Hochofengruppe und eine Möllerei an der östlichen Längsseite
definieren neben der Länge auch die vertikale Ausrichtung des
Raums. Die ehemalige Funktion der Hochöfen zeigte sich während
der Produktion im Augenblick des Abstichs, wenn das flüssige
material die Hochofenbirne verlässt. Dieser sich alle vier stunden
wiederholende Vorgang dokumentiert sich im Feld der Terre liquide.
Ein pulsierendes Leuchtfeld um die östliche Pfeilerreihe taucht
den Stahlhof alle vier stunden kurz in ein Oranges licht. Kurz nach
dem „Abstich“ steigt ein Wasserdampfnebel aus der Krone der
westlichen Pfeilerreihe, signalisiert das ende des „Stahlkochens“
und kündigt den erneuten start des Prozesses an. Schichtwechsel!
Die „air solide“, das abgekoppelte Feld um die westliche Pfeilerreihe
bildet mit seiner dichten Heckenbepflanzung und Sitzmauer
Möglichkeiten zur Regeneration.
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- Cipa Belvaux
Architectur & Environnement
Das städtebauliche Prinzip des Quartiers Belval-Nord „Wohnen
in der Landschaft“, wird von den beiden Gebäuden der CIPA
fortgeführt, dabei fügen sich das U-förmige Hauptgebäude und
das L-förmige Nebengebäude für Alzheimerpatienten zu einem
Ensemble zusammen.
Das Gebäude orientiert sich zur Landschaft hin und wird vom
Quartiersplatz erschlossen.
Zum Konzept gehört es, den Dementenbereich ganz klar vom
Hauptgebäude zu trennen.
Es wird über einen eigenen Eingang erschlossen.
Die Wohnetagen des Hauptgebäudes sind als Einspänner geplant,
die die Aufenthaltsqualität der Flure erheblich verbessern.
Die Zimmer der Bewohner sind raumhoch verglast, somit gut
belichtet und gleichzeitig wird der Ausblick sowohl im Sitzen, als
auch im Liegen garantiert.
Der Außenkontakt wird durch Gemeinschaftsloggien
ermöglicht.
Das Gebäude ist auf 4 Etagen + Untergeschoss organisiert, im
Hauptgebäude befinden sich auf 3 Etagen jeweils 33 Zimmer,
im Gebäude der Alzheimer- patienten sind insgesamt 22 Zimmer
untergebracht.
Das Gebäude hat eine Bruttogeschossf läche von 16.500
m2, mit einem Bruttovolumen von 55.500 m3 und ist als
Niedrigenergiehaus geplant.
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- pavillon d’exposition luxembourgeois, Shanghai, 2o1o
n-lab
Relation au thème proposé
«Aujourd’hui survivre dans la métropole est une grande affaire,
et conditionne nombre d’entre nous à en payer les dividendes » :
une formule lapidaire d’Archigram qui renvoient à une réalité dans
laquelle nous sommes tous immergés : une expérience citadine
quotidienne vécue comme un défi. Le défi d’une ville dynamique
et agréable à vivre, d’une intégration de la nature et de la technologie,
voilà le pari que nous avons à relever.
Concept architectural
Au travers de la forme et de l’organisation de l’espace, en perméabilisant
les limites inflexibles qui séparent les domaines privé
et public, le bâti se dissout et se mêle en son environnement,
transformant l’objet en une promenade, en une expérience, en
un espace comme transitoire dont les frontières floues reflètent
les aspects de l’expérience sociale contemporaine. L’intérieur
et l’extérieur, les différents éléments du programme s’enchaînent
et se mêlent tout comme les aspects contradictoires mais
cohabitant de nos métropoles polymorphes. Ce bâtiment ‘aux
frontières incertaines’ évite iconographie, image et autres modes
de communication sémantique pour essayer l’opposé : au travers
de l’abstraction, de glissements morphologiques et de l’usage
innovant de matériaux, elle produit des ambiances non-familières
(nouvelles, peu communes, exotiques). Ce qui apparaît abstrait
de prime abord devient une expérience active, une découverte de
l’espace qui parle directement aux sens. C’est une architecture qui
se vit de façon chaque fois différente, mêlant au souvenir l’émotion
indicible de l’expérience personnelle.
Proposition d’ensemble par référence
au thème de l’exposition
Cette promenade conçue comme voyage initiatique, figure une
ballade dans les paysage vallonnés du Luxembourg, la ‘petite
suisse’ aux reliefs pittoresques. Cette excursion architecturale
toute en pentes et en rampes offre au visiteur une expérience qui
l’informe tant sur la réalité économique et sociale du Luxembourg,
par le biais des exposants, que sur sa réalité physique, par l’intermède
de l’architecture. Elle illustre également la position d’un
pays qui, se trouvant au coeur de l’Europe, est souvent vécu
comme un lieu transitoire, un lieu d’échanges.
L’intégration du végétal au bâti dénote l’intérêt porté à un effort
d’amélioration de l’écologie urbaine, tant du point de vue technique
que du point de vue social.
Ainsi la végétation, présente tant à l’intérieur qu’à l’extérieur de
l’édifice, joue-t-elle un rôle d’assainisseur d’ambiance (rafraîchissement,
inertie thermique, absorption acoustique) mais aussi de
représentation de la flore luxembourgeoise : ce sont particulièrement
les vignes, représentatives du crémant luxembourgeois,
qui seront implantées en toiture, incarnant un des aspects de
l’économie culinaire du Luxembourg.
La façade du bâtiment sera composée d’écrans de verres où seront
projetés logos et informations relatives au différents exposant,
utilisant des technologies luxembourgeoises (SES), tout en intégrant
nature et technologie.
Proposition d’ensemble par référence au programme,
aux besoins, aux exigences du cahier des charges
L’intégration fluide de l’édifice dans son environnement permet
la gestion du flux colossal des visiteurs attendu. L’espace isotrope
et non-segmenté autorise un accueil continu des visiteurs, d’où
le nom de non-stop city. Le bâtiment dispose d’un auditorium,
d’un espace de restauration et de nombreuses salles de tailles
variables, disposées en continuité les unes des autres, et permettant
une organisation totalement libre des espaces d’exposition
des participants.
Organisation et fonctionnement général du pavillon
L’entrée du pavillon se fait du côté du parvis, à son angle nord-est.
Un motif dans le revêtement à cet endroit rappel le Boch Fiels lieu
d’établissement des fondateurs de la ville de Luxembourg. Sur la
droite de la grande rampe d’entrée se trouve le grand auditorium
dont les gradins prennent la forme des limites géographiques
du Grand-Duché. Après cette séquence d’entrée se succèdent les
espaces d’exposition, tant intérieurs qu’extérieurs, participant à la
promenade architecturale. Tout autour du pavillon, dans la zone
non-bâtie de la parcelle sont disséminés des châteaux gonflable
figurant le nombre important de châteaux, bien réels ceux-là, qui
font l’identité historique du Luxembourg.
Caractère innovant du projet et des solutions techniques proposées
pour garantir notamment un bon
confort thermique, acoustique, et visuel
L’objectif en matière d’économie d’énergie est d’atteindre l’autonomie
du pavillon. Pour ce faire des panneaux photovoltaïques
sont installés sur le toit, orientés vers le sud, qui pourvoiront le
bâtiment en électricité. L’énergie sera économisée au maximum
en utilisant, pour limiter les échanges thermiques néfastes, la
présence de végétaux sur le toit qui permettront une meilleure
isolation ainsi que l’évacuation de la chaleur par évaporation.
Une cascade d’eau participera également au rafraîchissement.
Des troncs d’arbres perforés encastrés dans le plafond serviront à
améliorer le confort acoustique des lieux.
En fonction des charges internes des exposants jusqu’à présent
non définies, nous envisagerons un apport par climatisation solaire.
L’objectif étant la non–émission de CO2. Les façades vitrées,
permettant une illumination naturelle du lieu, seront recouvertes
de sérigraphies photovoltaïques participant à l’alimentation en
énergie.
Enfin une façade à double peau permettra la ventilation bâtiment.
Les matériaux utilisés seront des matériaux traditionnels
luxembourgeois (revêtement de sol en bois et ardoise)
Mais, une image valant mille mots (proverbe chinois), nous laissons
la parole aux images.
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- Law - Maison unifamiliale
n-lab
Le projet se définit par son site et par la personalisation maximale
des espaces intérieurs. le résultat est une façade très fermée vers
le sud, côté rue. de grandes baies vitrées permettent de profiter
au maximum de la vue sur la vallée. les volumes suivent le mode
de vie du maître d’ouvrage, un jeune couple, et créent ainsi des
porte-à-faux conséquents.
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